Dunkelblauer Eastpak

Spirituelles Erwachen-2

Es ist 06:50 Uhr und ich bin wieder einmal zu spät auf dem Weg zum Bus, der mich jeden Morgen zur Schule bringt. 

Der Frühling fängt langsam an die Luft milder werden zu lassen, trotzdem ist es noch dunkel um diese Uhrzeit.

Mein Blick fällt von einem dunklen Vorgarten auf einen dunkelblauen Eastpak und einen Hinterkopf mit pechschwarzen, leicht welligen Haaren. 

Der Junge ist etwas größer als ich und ich habe ihn zuvor noch nie gesehen. 

Schon nach eine Millisekunde finde ich ihn süß, ich bin mir sicher, dass er ein schöner Junge ist.

Meine Aufmerksamkeit richtet sich kurz auf eine kleine getigerte Katze, die im Gebüsch sitzt und wissend und wartend in die Luft schaut. Als ich wieder zu dem Jungen schauen möchte, ist er nicht mehr da. 

Komisch. Vielleicht ist er schon abgebogen und steigt bei einer anderen Haltestelle ein? Oder er holt noch einen Freund ab. Hm.

Weitere Morgen vergehen und ich sehe ihn, jedoch ist er mir immer einige Meter voraus, sodass ich ihn nur von Weitem wahrnehmen kann. Jedes Mal läuft es gleich ab: Ich sehe ihn, betrachte seinen Hinterkopf und seinen Rücken und im nächsten Moment ist er weg. 

Die Tage sind gefüllt an Gedanken an diesen Jungen. Wir haben noch kein Wort gewechselt, ich kenne ihn nicht und trotzdem bin ich ein bisschen verliebt.

Wieder ist es 06:50 Uhr und ich bin auf dem Weg. Heute sage ich was zu ihm- habe ich mir fest vorgenommen. Mit klopfendem Herzen geh ich die dunkle Straße entlang, scanne mit leicht zugekniffenen Augen die Umgebung vor mir ab und da geht er. Ich beschleunige meinen Schritt und bin nun kurz hinter ihm. Einen leises „Hallo“ kriecht aus meinem Mund, er bleibt stehen, dreht sich zu mir um. Große Vorfreude auf den ersten Blick in sein Gesicht kommt ihn mir hoch und pocht um mein Herz herum. Ich halte den Atem an, als ich auf eine weiße Fläche schaue. Eine weiße Fläche auf der eigentlich ein Gesicht zu sehen sein sollte. Doch keine funkelnden Augen schauen mich an, kein Mund mit vollen Lippen lächelt mir zu. Nur diese weiße, leere Fläche, umrahmt von pechschwarzen, leicht gewellten Haaren. 

 

Jahre sind vergangen.

Ich sitze in der Kirche unseres Dorfes. Langweiliger Konfirmandenunterricht.

Mein Blick schweift über die Engelsfiguren über mir.

Plötzlich geht ein Junge mit diesen gewellten Haaren, diesem Gang, den ich sofort erkenne vom seitlichen Schiff zum Altar. Er trägt einen weißen Pullover mit Zopfmuster.

Er dreht seinen Kopf, mir stockt der Atem: Ich sehe sein wunderschönes Gesicht, er lächelt, nickt mir zu... und bei meinem nächsten Zwinkern ist er wieder fort.

 

Was auch immer du erlebt hast, was du zu tun hattest, ich bin so glücklich, dass du es geschafft hast.

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