Kranker Körper, heilende Reise

Es ist später Nachmittag. Ich habe den Tag im Bett verbracht und den Sonnenuntergang und den Einbruch der Nacht durch mein Fenster beobachtet.

Jetzt erhellt grünes Licht meiner IKEA- Lampe mein Zimmer. 

Ich kuschel mich in meine fluffige Daunenbettdecke und drehe mich auf meine rechte Seite. Meine Nebenhöhlen sind entzündet und es dauert einige Sekunden, bis der Schmerz in meiner rechten Nebenhöhle durch die Umlagerung meines Körpers nachlässt. 

Mit müden Augen schaue ich auf meine Wolkentapete. Schon als Mädchen habe ich meine Tapete stundenlang angeschaut und war fasziniert, welche neuen Formen und Bilder sich ergeben, wenn man nur lange genug hinsieht. Selbst eine Wolkentapete kann Geschichten erzählen.

Ich spüre an meinem Rücken meinen Werwolf. Mittlerweile habe ich mich an seine Gesellschaft gewöhnt und freue mich über sein weiches warmes Fell, was das schon so weiche Bett noch gemütlicher und molliger macht.

Er fragt mich, ob ich Lust auf eine Reise habe. Ich sage ihm:“Na klar :).“ Und schon schiebt mich eine enorme Kraft durch die Hauswand hindurch nach draußen. Gleichzeitig spüre ich einen stechenden aber angenehmen Schmerz in meinem dritten Auge. 

Ich liege immer noch auf meiner rechten Seite, jetzt jedoch auf einem Perserteppich mit schwarzrotem orientalischem Muster. Ich richte mich auf und mein Werwolf legt eine Decke um mich. 

„Wohin möchtest du?“

Ich denke einen Bruchteil einer Millisekunde an das wunderschöne, idyllische Plateau auf der Insel der Liebe und schon sind wir da.

Der Teppich schwebt leicht bebend einige Meter über dem Boden und wir drehen uns auf den Rücken und bewundern den glitzernden Sternenhimmel.  

Plötzlich fliegt der Teppich über das Plateau hinaus auf das Meer. Er stellt sich senkrecht und kippt mich und den Werwolf ins Meer. 

Ich kann in den ersten Momenten nichts erkennen außer schwarzes Wasser. Langsam sehe ich die Umrisse einer gelben Taucherbrille und kann nicht glauben, dass mein Werwolf neben mir in einer kompletten Taucherausrüstung (! :)) schwimmt. Er gibt mir das Zeichen „OK“ in Tauchersprache und schon hat er wieder ein mal mein gesamten Vertrauen gewonnen.

Immer mehr kleine Wesen tauchen aus der Dunkelheit auf.

Sie haben einen kleinen, runden, pelzigen Körper. Ich kann keine Augen erkennen nur große volle Lippen. Außerdem haben sie dünne lange Arme, mit denen sie mich auf einen Thron aus Stein setzen. Die Rückwand der Steins hat die Form eines großen Herzens mit der Struktur einer Muschel. 

Ich blicke an mir herab und sehe meinen fischartigen Körper, den ich vor einigen Jahren schon ein mal wahrgenommen habe. 

Die kleinen Wesen sagen mir, ich soll mich umschauen. Doch ich kann die Umgebung nicht erkennen. 

Die flauschigen Wasserwesen kleben mich mit baumwollartigem, weißgrünen Zellstofffetzen an dem Stein fest. 

Irgendwann haben sie einen Kokon um mich gebildet und sagen mir, dass sie mir diesen Zustand zeigen wollen, damit ich mir bewusst werde, dass ich momentan in einem Verwandlungszustand bin.

Ich bedanke mich so gut ich verpackt in klebrigen Zellstoff kann :).

Mit einem Ruck liege ich wieder in meinem weichen warmen Bett. Grünes Licht beleuchtet mein Gesicht, auf dem ein großes Lächeln geblieben ist. 

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