Rundes Haus aus Holz

Meine langen roten Locken fallen mir auf meine Schultern und mein Dekolletee. 

Ich trage ein haselnussbraunes Kleid aus Leinen und darunter ein weißes, dünneres Kleid. Kurz erinnere ich mich daran, wie stolz ich war, als ich es selber nähen konnte. 

Der dunkelbraune Gürtel liegt eng an meiner Taille und ich bin froh darüber, ich kann so meinen Körper deutlicher spüren. 

Ein letztes Mal fällt mein Blick zurück in mein Haus. Es ist voll von vielen Dingen, die im Laufe meines Lebens ihren Weg zu mir gefunden haben. Manche dienten mir zur Erinnerung an leidenschaftliche und sinnliche Momente. Andere dienten mir, um meine Fähigkeit auszuleben. 

In der Mitte des großen runden Raumes steht mein großer Topf aus Zink. Über ihm hängen, im Kreis angeordnet, unzählige Kochlöffel, Kellen und andere Instrumente aus Holz und Metall. An der linken runden Hausseite spendet ein rechteckiges, vom Schmutz bedecktes Fenster etwas nachmittägliches Licht. 

Ein Holzregal rechts neben dem Fenster ist gefüllt mit Gewürzen und Zutaten. Ich kann die in Öl und Rosmarin eingelegten Froschschenkel erahnen. 

Ein kleines Bett steht an der rechten Wand. Ich erinnere mich an die kuschelig weichen Laken und einen Moment ist es, als würde ich mich noch einmal in die Daunen sinken lassen. Ein kurzer Moment stillen, gemütlichen Friedens.

Ein Akt der Gewalt schleudert mich aus meiner Empfindung, in der mich dreckige verurteilende Männer aus meinem Haus ziehen. Mir wird schmerzhaft deutlich klar, dass mein Kern immer weiß und leuchtend gewesen ist. Ich kann das höhnische Grinsen und Lachen in meinem Nacken spüren. Das Lachen der Männer und der einen Frau, die mir zeigten, wie ich mein weißes Licht für schwarze Tätigkeiten transformieren kann. Die Faszination der dunklen Macht war zu betörend zu verlockend, als dass ich ihr hätte widerstehen können. Bereue ich es? Ja und Nein. 

Viele Momente waren trotz der Trauer um die Konsequenzen der schwarzen Aktivitäten von Glückseligkeit und Freude gekennzeichnet. Diese Momente möchte ich nicht missen. 

Jedoch verfluche ich mich für die Taten, weil ich jetzt dafür büßen muss. 

Den Männern, die mich an meinen Armen packen und hinter sich herziehen, folgt das ganze Dorf. Männer wie Frauen, Alte wie Kinder. 

Ich weiß wohin sie mich bringen, ich weiß, was auf mich wartet. Habe ich Angst? Nein. Ich bin erfüllt von Traurigkeit darüber, meine wahre Natur in diesem Leben nicht ausgelebt zu haben. Schleimige gelbe Scham kriecht aus meinem Magen hoch und füllt meine Wangen mit roter Farbe. 

„Ich bin gut.“, flüstern meine zart geschwungenen roten Lippen. 

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