Wasserplanet

Wasserplanet

Es ist Sommer. Ich sitze auf einem weich gepolsterten Sessel auf meinem Balkon und schaue in die unendliche Vielfalt des funkelnden Sternenhimmels. 

Mein Verstand ist restlos überfordert, wie viele unterschiedlich große Sterne blitzen und schimmern.

Umso länger ich mich in den Blick in den schwarzen Himmel, geschmückt mit den Millionen von Sternen, fallen lasse, desto mehr Planeten kann ich sehen. 

Es kommt mir vor, als würden manche Sterne erst nach einer Weile aus den Tiefen des unendlichen Universums beginnen zu scheinen. 

Fasziniert hat mich diese Welt schon als kleine Mädchen. 

Ich spüre diese tiefe Sehnsucht in meinem Herzen. 

Ja im Moment ist diese Welt, Mutter Erde, mein Zuhause. Doch der Schmerz, der Wunsch nach meiner Heimat wird immer größer und deutlicher beim Blick in den Sternenhimmel. 

Entspannt lasse ich mich tiefer in den Sessel sinken, meine Gedanken ziehen wie Wolken vor meinem inneren Auge an mir vorbei. Ich bin einfach nur da, spüre wie die weichen Polster mich tragen.

Ein Traum mit offenen Augen beginnt:

Ich blicke auf eine fern liegende Stadt. Hohe runde und filigrane Türme ragen als Spitzen empor. Die Häuser sind aus weißen Steinen gebaut. Weiß und gleichzeitig durchzogen von silbern glitzernden Perlen. Eingerahmt wird die mir so bekannte und geliebte Stadt von kilometertiefen Klippen und Riffen, die vor Farbenpracht und Leben nur so pulsieren. 

Mein Blick fällt auf meinen Körper: Ich spüre, dass ich einen Kopf habe. Er fühlt sich anders an, als der den ich von meinem Menschenleben her kenne. Er ist oval und auf meinem Scheitel ragt ein kleiner Kamm, ein kleiner spitzer Kamm, der zu meinem Schädel gehört, hervor. Der Kamm ist einer kleinen Wirbelsäule ähnlich, die man bei Menschen sehen kann, wenn sie sehr dünn sind.

Die Schultern, die Brust und die Arme sind sehr menschlich, jedoch meine Hände haben die Form von weichen Fächern. Wenn ich mich konzentriere, können die Fächer die Gestalt von Händen annehmen. Entspanne ich mich, verwandeln sie sich wieder zurück. 

Ich fühle weiter diesen Körper und ich spüre eine euphorische Aufregung in dieser Entdeckung, alles kribbelt und ich bin glücklich. 🙂 

Mein Unterkörper teilt sich auf in mehrere Flossen. Auch sie können sich bei Konzentration verändern und eine andere Form annehmen, zum Beispiel die Form von Tentakeln mit riesigen, tellerförmigen Saugnäpfen. Bei Entspannung breiten sich die Flossen wieder wie riesige, weiche, schwungvolle Fächer aus.

Momentan leuchtet meine Haut in einem tief dunklen blau. Über der Schicht in meiner Haut, die die Farbe leuchtet, ist eine zarte und dünne Hautschicht, die weiß ist. Auch sie ist durchzogen von vielen silbern glitzernden Perlen. 

Zwischen diesen beiden Hautschichten liegt eine weitere. In manchen Momenten leuchten in ihr fleckige Lichtstrahlen auf. Das Licht ist ebenfalls perlig weiß. 

Ich schwebe über einem Feld von klebrigen, moosgrünen Gras oder Tang. Die Blätter dieser Pflanzen sind elliptisch geformt und in Büscheln angeordnet. Sanft bewegen sie sich im Takt der Strömung. 

Rechts von mir, etwas höher gelegen, zeigt sich ein Feld von Blumen. Ihre Blüten sind wie große Schalen, mit geschwungenen Rändern. Die Blütenblätter sind sonnengelb, karminrot und sonnenuntergangsorange. Die Ränder zeichnen sich durch eine schmale Farbe ab, die nicht der Blütenblattfarbe entspricht. Also hat die sonnengelbe Blüte entweder einen karminroten oder sonnenuntergangsorangenen Rand. 

Bei näherer Betrachtung erkenne ich, dass auf dem Stempel der Blüten kleine Wesen leben, als wäre jeder Blütenstempel eine eigene Welt. 

Zu meiner linken bedroht mich ein schwarzgrüner Wald. In einem Moment ist er mir so nah, dass ich fast von ihm umgeben bin, im nächsten Moment ist er nicht mehr zu sehen. 

Ich spüre, dass dieser Planet nicht die Mutter Erde ist. Wie von allein kann ich mir plötzlich aus dem Wasser heraus, diesen Planten von oben ansehen – er ist ausschließlich umgeben von azurblauem, tief dunkelblauem, türkisem und schwarzem Wasser. Einfach wunderschön.

Wieder fällt mein Blick auf die leuchtende Stadt. Sie ist so fern von mir und meine Sehnsucht wieder zu ihr zurück zu kehren so groß. Mein Herz schmerzt. 

Mit einem tiefen Atemzug werden wieder die Sterne vor meinen Augen klar und deutlich. Ich bewege meine menschlichen Füße und spüre die Bereicherung dieses Augenblickes als Geschenk an mein Herz. 

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