Wesen einer neuen Zeit

Mein kleiner ellipsenförmiger Körper ist eingehüllt in weiße Leinen. Sie sind blickdicht, doch ich spüre ihr Gewicht nicht. Es ist, als hätte ich meinen Körper mit zarter Seide übergossen. 

Nur für mein Gesicht öffnet sich der wallende Umhang ein wenig.

Ich blicke durch ein großes Auge auf die Welt. Es ist umgeben von langen, vollen Wimpern, die an Pfauenfedern erinnern. Jede Wimper ist mit vielen bunt schimmernden Perlen verziert und sie wippen langsam und sanftmütig auf und ab. 

Meine Iris ist tellergroß und haselnussbraun, durchzogen von dunkelbraunen kreisförmigen Linien.

Die Haut, die meinen Körper in einer wagen Form zusammenhält, schimmert silbern weiß und scheint so durchsichtig zu sein, dass man durch mich durch schauen könnte und dann das Meer in seinem ultramarinblauen und pastellblauen Wellen erblickt.

Ein sanfter Wind wiegt mich in der Luft hin und her, vor und zurück. Das Schaukeln beruhigt mich und erinnert mich an das Meer, das ich so sehr liebe.

Je klarer und bewusster ich diesen Zustand erfühle, desto deutlicher spüre ich die Anwesenheit von vielen Millionen weiteren Wesen wie mir. 

Leicht neige ich meinen Körper zu Seite und erblicke sie:

Wie eine riesige Versammlung, wartend, friedlich und strahlend schweben sie hinter mir. Alle in einem meditativen Schunkeln.

Ich spüre eine Vibration, die uns alle miteinander verbindet – ich bin erleichtert es zu spüren, diese Abgrenzung meiner Haut zur Außenwelt hat mich anfangs verunsichert, ich fühlte mich einsam. Mittlerweile sehr ungewohnt. 

Über jedem Körper schwebt eine goldene Kugel. Jede einzelne strahlt so hell, wie tausend Sonnen. Die Strahlen bescheinen die Erde wie Schallwellen. 

Aus jeder Brust scheint ein violettes Licht und verbindet jeden Körper miteinander. Ein violettes Netz aus pulsierenden Kugeln.

Wir warten. Wir warten auf den richtigen Zeitpunkt, der bald gekommen ist. Ein bisschen Zeit wird noch vergehen, bis wir uns mit unserer vollen Kraft mit der Erde verbinden und ihren Wunsch erfüllen, in eine höhere Schwingung zu kommen. Ja Mutter Erde hat uns gerufen und wir freuen uns so sehr (das kann man mit Worten nicht beschreiben), sie an ihren Milliarden Händen zu nehmen und sie nach oben schweben zu lassen. Es ist uns eine Ehre und das wollen wir feiern.

Bald werden alle voller Freude und Liebe ihr Leben, ihre Existenz, ihre Erfahrungen, ihre Begegnungen, ihre wiederentdeckte Selbstliebe und ihre aufgeweckten Kräfte voller Dankbarkeit und aus vollem Herzen feiern und schreien und tanzen und sich im Kreis drehen, bis alle schwindelig vor Lust am Leben ins taunasse, quietschgrüne Gras fallen und jubeln. 

Aber jetzt schweben wir hier. Ein paar Meter über dem wunderschönen geliebten Meer und warten und genießen.

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